Bei Google erscheint bei manchen Suchanfragen eine KI-Zusammenfassung über den Ergebnissen. Auch ChatGPT kann das Web durchsuchen und Quellen verlinken. Ein potenzieller Kunde kann sich dadurch bereits eine Meinung bilden, ohne zunächst auf deine Website zu klicken.
Wie sich das auf das Suchverhalten auswirken kann, zeigt eine Auswertung des Pew Research Center: Erschien bei einer Google-Suche eine KI-Zusammenfassung, klickten Nutzer bei 8 Prozent der untersuchten Besuche auf ein klassisches Suchergebnis. Ohne Zusammenfassung waren es 15 Prozent. Links innerhalb der Zusammenfassung selbst wurden bei rund einem Prozent der entsprechenden Besuche angeklickt.
Untersucht wurde das Browserverhalten von 900 Erwachsenen in den USA im März 2025. Die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf jeden Betrieb in Deutschland übertragen – die Richtung ist aber deutlich. Quelle: Pew Research Center, Juli 2025
Für Unternehmen ergibt sich daraus trotzdem eine wichtige Frage: Welche Antwort kann jemand über mein Angebot erhalten, bevor er meine Website besucht?
Das Problem: Die Expertise ist da – aber nirgends nachzulesen
Nehmen wir einen fiktiven Heizungsbetrieb in Gießen. Auf seiner Website steht:
„Ihr kompetenter Partner für moderne Heiztechnik.“
Falsch ist das nicht. Aber wer eine defekte Wärmepumpe im Keller hat, erfährt daraus wenig: Repariert der Betrieb bestehende Anlagen oder baut er nur neue ein? Welche Hersteller betreut er? Bis wohin fährt er? Gibt es einen Notdienst?
Der Inhaber könnte das vielleicht in zwei Minuten beantworten. Steht es öffentlich nirgends, fehlen diese Informationen aber allen, die den Betrieb einordnen wollen – Menschen ebenso wie Such- und KI-Systemen.
Eine konkrete Beschreibung könnte so aussehen:
„Wir reparieren und warten Wärmepumpen ausgewählter Hersteller im Raum Gießen und Wetzlar. Neuanlagen planen wir für Ein- und Zweifamilienhäuser. Bei Ausfällen sind wir werktags bis 20 Uhr erreichbar.“
Der Unterschied ist deutlich: Der erste Satz beschreibt einen Anspruch. Der zweite beantwortet konkrete Fragen. Solche Aussagen lassen sich finden, verstehen und einer Quelle zuordnen.
Was „zitierfähig“ bedeutet
Zitierfähigkeit ist kein technisches Gütesiegel. Gemeint ist hier: Eine Information ist so veröffentlicht, dass andere sie finden, verstehen, ihrer Quelle zuordnen und ihre Aussage einordnen können.
Fünf Fragen helfen bei wichtigen Aussagen:
- Wer sagt das? Ist erkennbar, welches Unternehmen oder welche Person dahintersteht?
- Was genau wird behauptet? Ist die Aussage konkret genug, um sie zu verstehen und gegebenenfalls zu überprüfen?
- Worauf beruht sie? Geht es um eine eigene Leistung, eine Erfahrung, eine Auswertung oder eine externe Tatsache?
- Für welchen Fall gilt sie? Werden Voraussetzungen, Grenzen und gegebenenfalls das Einsatzgebiet genannt?
- Wo lässt sie sich nachlesen? Führt ein Link zu der Stelle, die die Aussage trägt?
Welche Leistungen du anbietest, kannst du grundsätzlich selbst beschreiben. Behauptest du dagegen, dass für eine Maßnahme eine gesetzliche Pflicht gilt, braucht diese Aussage einen passenden Beleg – etwa den Gesetzestext oder eine Auskunft der zuständigen Behörde.
Google fragt in seinen allgemeinen Qualitätshinweisen unter anderem danach, ob Inhalte eigene Informationen und erkennbare Expertise bieten. Quelle: Google Search Central
Deine Website ist nur ein Teil des Bildes
Kunden begegnen deinem Unternehmen nicht nur auf deiner Website, sondern auch über Google Maps, Branchenverzeichnisse, Kammern, Verbände oder Fachportale. Welche dieser Stellen relevant sind, hängt von Branche, Region und Zielgruppe ab.
Für lokale Ergebnisse nennt Google Relevanz, Entfernung und Bekanntheit als wesentliche Faktoren. Ein vollständiges und genaues Unternehmensprofil soll helfen, ein Unternehmen passenden Suchanfragen zuzuordnen. Quelle: Google Unternehmensprofil
Für den fiktiven Heizungsbetrieb könnten zum Beispiel relevant sein:
- ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil;
- ein passendes regionales Branchenverzeichnis;
- das Verzeichnis einer Innung oder eines Fachverbands, sofern die Voraussetzungen für einen Eintrag erfüllt sind;
- ein Fachportal, auf dem sich die angebotenen Leistungen konkret beschreiben lassen.
Wichtiger als die bloße Zahl der Einträge ist, dass sie korrekt sind und gepflegt werden. Veraltete Öffnungszeiten oder unterschiedliche Telefonnummern können Kunden verwirren und Vertrauen beeinträchtigen. Grundlegende Angaben sollten übereinstimmen; die Beschreibung selbst darf zur jeweiligen Plattform und ihren Nutzern passen.
Ein Eintrag ist eine Fundstelle – noch kein unabhängiger Beweis
Ein Punkt geht in der Diskussion über KI-Sichtbarkeit leicht unter: Wenn du deine Telefonnummer auf deiner Website und in drei Verzeichnissen einträgst, ist sie an vier Stellen zu finden. Das sind aber nicht automatisch vier unabhängige Bestätigungen. Alle Einträge können auf derselben Angabe beruhen: deiner.
Bei fachlichen Aussagen gilt Ähnliches. Ein selbst angelegtes Profil kann beschreiben, was du anbietest. Ein unabhängig recherchierter Fachbeitrag, eine nachvollziehbare Fallstudie oder ein Eintrag bei einer zuständigen Institution kann – abhängig von Inhalt und Prüfverfahren – eine andere Art von Beleg liefern.
Es lohnt sich, drei Ebenen zu unterscheiden:
- Eigene Angabe: Was sagst du selbst über dein Angebot?
- Fachlicher Beleg: Welche externe Quelle stützt eine allgemeine Aussage?
- Unabhängige Bestätigung: Wer hat eine konkrete Information über dein Unternehmen selbst recherchiert oder geprüft?
Eine Fallstudie kann eigene Erfahrung anschaulich machen. Ob sie eine Aussage unabhängig bestätigt, hängt davon ab, wer sie erstellt und geprüft hat. Mehr Fundstellen allein machen eine Behauptung nicht wahr.
Wissen dort teilen, wo es relevant ist
Eine gute Leistungsseite ist ein Anfang. Sie kann zum Ausgangspunkt für weitere passende Veröffentlichungen werden: ein Fachbeitrag, ein Verbandsprofil, ein regionales Verzeichnis oder ein Interview – sofern Thema und Plattform zusammenpassen.
Dabei muss nicht überall derselbe Text stehen. Ein Branchenprofil braucht vor allem korrekte Grunddaten und eine verständliche Leistungsbeschreibung. Ein Fachbeitrag kann eine konkrete Frage beantworten. Für ein regionales Medium ist möglicherweise eine Entwicklung vor Ort interessant, wenn es dafür einen journalistisch relevanten Anlass gibt.
Das Ziel sollte nicht sein, möglichst viele Kopien einer Werbebotschaft zu verteilen. Besser ist es, zutreffendes Wissen dort zugänglich zu machen, wo es für die jeweilige Zielgruppe einen Nutzen hat.
Technik ist die Grundlage – nicht die ganze Antwort
Für die Optimierung auf KI-Suchsysteme hat sich der Begriff GEO etabliert: Generative Engine Optimization. Gemeint sind Maßnahmen, mit denen Inhalte für generative Such- und Antwortsysteme besser auffindbar und verwendbar werden sollen.
Bei einfachen Versprechen ist Vorsicht angebracht. Google schreibt, dass für seine KI-Funktionen keine zusätzlichen technischen Spezialanforderungen notwendig sind. Eine Seite muss unter anderem indexiert und als Suchergebnis mit einem Ausschnitt anzeigbar sein. Quelle: Google Search Central
OpenAI nennt für die Verwendung von Website-Inhalten in ChatGPT-Suchantworten den Zugriff seines Such-Crawlers OAI-SearchBot als Voraussetzung. Dieser lässt sich laut OpenAI getrennt vom Trainings-Crawler GPTBot steuern. Quelle: OpenAI, Übersicht der Crawler
Technische Erreichbarkeit schafft also eine Grundlage. Ob eine Quelle herangezogen wird, hängt von mehreren Faktoren ab – darunter die jeweilige Frage und das verwendete Suchsystem. Klare, zutreffende Inhalte und passende Fundstellen verbessern die Informationsgrundlage; sie garantieren keine Platzierung.
Mach den Test
Stell ChatGPT oder Google eine Frage, die ein potenzieller Kunde stellen könnte – zum Beispiel: „Wer repariert in Gießen Wärmepumpen?“
Prüfe anschließend:
- Wird dein Unternehmen genannt?
- Stimmt, was über dich steht – etwa zu Leistung, Ort und Einschränkungen?
- Welche Quelle wird verlinkt: deine Website, ein Verzeichnis oder eine andere Veröffentlichung?
- Stützt die Quelle die konkrete Aussage tatsächlich?
- Könnte jemand danach sinnvoll Kontakt aufnehmen?
Die Antworten können sich von Tag zu Tag unterscheiden – ein zweiter Blick lohnt sich. Schon der erste zeigt aber meist, wo Lücken liegen.
Was du daraus mitnehmen kannst
- Expertise herausarbeiten: Was bietest du konkret an, für wen und in welchem Gebiet?
- Nachvollziehbar veröffentlichen: Welche Aussagen gehören auf deine Website, und wo brauchst du externe Belege?
- An passenden Stellen präsent sein: Welche Profile, Verzeichnisse und Portale helfen deiner Zielgruppe – und wer hält die Angaben aktuell?
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Wie kommen wir in eine KI-Antwort?“ Sondern auch: „Welche richtige und hilfreiche Antwort sollte über uns möglich sein – und wo kann man sie nachprüfen?“
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Recherchehinweis: Die Angaben zu Google, OpenAI und Suchverhalten beziehen sich auf die verlinkten Quellen; Stand: November 2026. Funktionen und Darstellungen von KI-Suchsystemen können sich ändern. Der Heizungsbetrieb und alle dazu genannten Angaben sind fiktiv.